WSO 2019

Wie man sich als Hochzeitsfotograf in einem Markt im Umbruch positioniert.


“Hi! Ich bin Rossi und ich sehe was, was ihr nicht seht!”


Hochzeitsfotografen gibt es wie Sand am Meer, und es dringen stetig neue in den Markt. Die Zahl der Absagen ist Legion, Onkel Bobs lauern hinter jeder Ecke, viele Paare wollen Porsche, aber zum Preis eines Fiat 500 und überall locken Newcomer mit wahnwitzigen Rabatten von drölftausend Prozent. Im allgemeinen Tenor klingt das dann in etwa so:

„Früher war alles besser! Alle wollen nur noch billig! Sicherheiten gibt es nicht mehr! We are all doomed!“

Aber ist das wirklich so?

Es ist einerseits schon spürbar, dass vieles im Umbruch ist:
Viele Kollegen spüren das gerade sehr schmerzhaft, denn bei nicht wenigen ist die Anzahl gebuchter Hochzeitsreportagen teils krass zurückgegangen – hatten sie für 2018 schon im Januar 30 bis 40 Buchungen oder gar mehr, waren es nun 10.

So was geht an die Substanz und lässt einen womöglich verzweifeln und man überlegt ernsthaft, die Hochzeitsfotografie an den Nagel zu hängen. Es gibt sogar konkrete Fälle, in denen tatsächlich das Handtuch geworfen wurde.
Wir leben in der Tat in schwierigen Zeiten, aber ich glaube fest daran, dass die Lage nicht aussichtslos ist.

Meiner Meinung nach gibt es in diesen turbulenten Zeiten zwei Wege, mit denen man als Hochzeitsfotograf erfolgreich sein kann:

Möglichkeit A)

Man positioniert sich als Fotograf, der relativ günstig ist und dabei durchaus gute und solide bis sehr gute Arbeit macht und damit eine breite Masse ansprechen kann – dann wird man mit ziemlicher Sicherheit gut gebucht sein, vor allem, wenn man bei z.B. 8 Stunden bei um die 1500 € liegt.

Versteht mich bitte nicht falsch: Günstig ist nicht gleich billig und vor allem bedeutet „massentauglich“ nicht per se etwas wertendes oder negatives.

Aber: Will man von der Hochzeitsfotografie leben, wird man mit einer großen Anzahl an Hochzeiten den günstigen Preis kompensieren müssen.
Und ganz ehrlich, ich persönlich möchte keine 40 Hochzeiten im Jahr machen, damit würde ich mich kaputt arbeiten.

Zudem wird der Hauptgrund einer Buchung immer der günstige Preis sein, da sollte man sich keine Illusionen machen.

Und zum dritten: Man wird austauschbar sein. Man ist einer von vielen, dessen Bilder das Paar gerade ansprechen UND der eben auch noch günstig ist.

Möglichkeit B)

Die andere Variante – für die ich mich entschieden habe bzw. deren Weg dahin sich für mich in den letzten 2 Jahren immer deutlicher und klarer abgezeichnet hat – ist sichrlich nicht die leichteste.
Sie ist aber meiner Meinung nach – wenn man es schafft – die mit dem größten „happiness benefit“.

Man möchte nicht mehr nur einer von vielen sein – man möchte DER Fotograf sein, für den sich das Paar entscheidet UND man möchte gleichzeitig seine Arbeit angemessen honoriert bekommen.

Meinen Weg und meine Erfahrungen, die ich bei der zweiten Wahl gemacht habe, möchte ich hier heute mit euch teilen.

Als ich vor 3 Jahren mal ein Paar zum Vertrag unterschreiben zu Hause hatte, welches zu mir sagte „Ach, die anderen Fotografen sind alle so teuer“, da war das für mich wie ein brutaler Tritt in den Arsch.
Denn da wurde mir endlich klar: „Damn, ich bin zu billig!“

Das war der Punkt, an dem es Zeit wurde, einige Dinge radikal zu verändern, denn ich war nicht wirklich glücklich mit meinem Verdienst. Ich hatte das Gefühl, dass meine Arbeit viel mehr wert sei.
Und ich hatte allerdings gleichzeitig auch das diffuse und sehr frustrierende Gefühl, dass ich zwar qua Bildsprache und Stil auf einem guten Weg war, dass aber etwas noch fehlte:
Das letzte Stück im Puzzle, von dem man erst merkt, dass man es vermisst hat, wenn man es gefunden hat.

Schritt eins war die schonunglose Selbstanalyse und das sich eingestehen von Schwächen und Defiziten. Das ist nicht schön, aber da muss man durch, will man nach vorne kommen.
Von wie vielen Fotografen habe ich schon gehört, die die Schuld für fehlende Buchungen und zu geringe Umsätze immer erst bei anderen suchen, aber nie bei sich selbst.
Das Totschlag-Argument „Ich mache das seit 20 Jahren so!“ ist der Sargnagel vieler Fotografen-Karrieren.
Denn Stillstand und das Sich ausruhen in der eigenen Komfortzone sind der Tod.

Meine deutlichen Schwächen lagen also zum einen in fehlendem Verständnis für kreatives Blitzen und fehlendem Wissen über gutes und natürlich wirkendes Posing. Das waren die zwei fehlenden Teile des Puzzles. Bis dahin fotografierte ich höchstens mit Aufsteckblitz, also volle Kanone mitten in die Fresse, ohne Sinn und Verstand – immerhin schon mit der Dragged Shutter-Technik auf der Party, aber irgendwie war das alles noch nichts ausgereiftes.
Und ich schleppte einen kiloschweren Generator mit mir herum, mit end-nervigem Kabelsalat und riesigen bekloppten Softboxen. Der pure Wahnsinn.
Damals dachte ich wirklich, das sei cool.
Ich blitzte also um des Blitzens willen, ohne aber wirklich zu wissen, was ich da tat und wieso.

Mein erster Fearless Award. Fearless Awards sind die brutalste und schwierigste Competition in der Hochzeitsfotografenbanche. Von 11.000 eingereichten Bildern werden pro Runde von unabhängigen Juroren gerade mal 2% zum Award gekürt. 

Ziele setzen

Der nächste Schritt war das sich aufstellen konkret gesetzter Ziele, denn ich hatte es einfach satt, nur irgend ein austauschbarer Fotograf zu sein.
Dieses Ziel war damals noch ziemlich größenwahnsinnig formuliert, aber zumindest wusste ich nun, wie mein Weg aussehen würde, sei er auch noch so steinig und schwer:
Ich wollte verdammt nochmal zu den besten Hochzeitsfotografen Deutschlands gehören.
Ich wollte auch so coole Bilder machen wie die! Verdammt nochmal! =)

Also büffelte ich im Herbst und Winter 2016 dicke Wälzer von Roberto Valenzuela, las mich ausführlich in die kreative Blitzfotografie und Posing ein, schaute mir eine Menge Video-Tutorials an und begann, mein Auge für das „Licht an sich“ zu schärfen und zu trainieren.
Das waren die Momente, in denen es mir wie Schuppen von den Augen fiel und ich begann, die Dinge wirklich zu verstehen:
Wie Licht funktioniert, welche Qualitäten Licht an sich haben kann.
Für mich war das ein wenig so, als würde sich mir ein völlig neues Universum mit unendlichen neuen Möglichkeiten offenbaren.
Wie blind ich doch all die Jahre gewesen war!

Unser Hund Luc war ein williges und mit Leckerlis gut bezahltes Model, und dann kam das erste Shooting in 2017 – ein After-Wedding-Shooting – und auf einmal entstand dabei ein Porträt, dass noch heute zu meinen absoluten Lieblingsbildern gehört:

Mein erster “signature shot” und mein erster Award bei den “German Masters”

Mein erster wirklicher „Signature Shot“ war geboren, und von da an ging alles recht schnell.

Ich gewann meine ersten Awards bei den „Masters of German Wedding Photography“. Gleichzeitig begann ich, intuitiv auf Hochzeiten Blitze kreativ einzusetzen und das Gelernte endlich auch in der brutalen Realität einer Hochzeitsreportage in die Tat umzusetzen. Und ich wurde auch qua Bildsprache und Stil immer prägnanter und konkreter:

Die Findung der eigenen Bildsprache

Ich begann, näher an meine Paare und die Gäste ran zu gehen – ganz nah dran und mittendrin zu sein. Mein Verhältnis zu den Paaren und zu den emotionalen Momenten einer Hochzeit wurde ebenfalls intensiver, lebendiger und dynamischer.
Ohne, dass ich es wirklich bewusst merkte, schliff ich also schon an meiner „Marke Rossi“, indem ich immer mehr mit dem Bauch fotografierte und agierte und kommunizierte und generell Dinge intuitiver anging und den Kopf mehr und mehr ausschaltete.

Meine Art zu fotografieren kann ich im Gegensatz zu früher nun auch ganz konkret umschreiben (nichts ist frustrierender, als sich einzugestehen, dass man im Prinzip keinen Plan davon hat, was man gerade tut und weshalb man es tut!):

Laut, dynamisch, knackig und unoffensichtlich.
Das ist meine Fotografie. Das bin ich, das ist „Rossi“.

Alleinstellungs-Merkmale

Um sich als Hochzeitsfotograf deutlich zu positionieren, braucht es vor allem ein oder mehrere Alleinstellungsmerkmale.
Was unterscheidet einen von den anderen? Was macht einen einzigartig?

Für mich manifestieren sich diese Merkmale im Einsatz von kreativem Off-Camera-Blitztechniken, in der bereits erwähnten Bildsprache (ganz nah dran zu sein), in dynamischen Perspektiven, generell in einer unoffensichtlichen Art zu fotografieren und in einem Bildstil mit hohem Wiedererkennungswert: knallige, vibrierende Farben und knackiges und kontrastreiches Schwarzweiß zeichnen meine Bilder aus.

Die eigene Persönlichkeit macht jedoch einen nicht unbeträchtlichen weiteren Teil meiner Positionierung aus:
Dazu aber später mehr…

Für mich sind Blitze “Available light”! Licht ist Licht, ob es aus einem Blitz kommt oder aus der Sonne oder sonst wo her!
Bitze machen mich komplett unabhängig von jeder nur denkbaren Lichtsituation.
Die Realität ist mir nicht genug!
Ich blitze mir die Welt, wie sie mir gefällt! 😉

Erkenntnisse auf dem Weg zur eigenen Positionierung

Mit der Zeit haben sich für mich folgende Erkenntnisse herauskristallisiert, mit denen ich mich als Hochzeitsfotograf ziemlich genau positioniert habe und die mir geholfen haben, meine Ziele zu erreichen. Diese will ich mit euch teilen und hoffe, dass sie nicht nur für die Fotografen unter euch interessant sind:

1. Ab ins eiskalte Wasser!

Ich stürze mich gerne in eiskalte Gewässer und konfrontiere mich bewusst mit Situationen, vor denen ich Angst habe oder die mich verunsichern. So wie dieser Vortrag hier. Dadurch werde ich gezwungen, kreative Wege zu finden und Probleme schneller zu lösen.

2. Keine Styled Shoots!

Ich fotografiere aus Prinzip keine Styled Shoots. Styled Shoots sind in meinen Augen schlichtweg Fake und vermitteln Paaren oft völlig falsche Erwartungen.
Inspiration hole ich mir auf jeder echten Hochzeit – unter Stress, Zeitdruck und den widrigsten Umständen.

3. Finde deine eigenen persönlichen „Tabu-Wörter“!

Für mich ist das z.B. unter anderem das Wort „authentisch“.
Denn auf jeder Webseite des hinterletzten Fotostudios von Foto-Pixel-Klaus aus Wanneeikel findet man dieses extrem inflationär genutzte Adjektiv.
Viele scheinen Worte wie „authentisch“, „leidenschaftlich“ und „emotional“ als Entsprechung für „hochqualitativ“ zu verstehen und das ist ein riesiges Missverständnis.

Diese drei Worte sind für mich zu hohlen Phrasen geworden, die vor allem sehr oft in extremem Kontrast zu den gezeigten Bildern auf diversen Fotografenseiten stehen.
Authentisch kann auch der mieseste Fotograf sein. Dessen Bilder sind dann eben authentisch schlecht. Dieses „Tabu-Wort“ findet sich nirgendwo auf meiner Webseite, ich habe es verbannt.

4. Kommuniziere deine Persönlichkeit und deine Arbeitsweise so prägnant wie nur möglich!

Anstatt meine Arbeit mit ausgelutschten Adjektiven zu umschreiben, versuche ich daher, durch eine prägnant ausformulierte und sehr persönliche „About-Me“-Seite mich und meine Persönlichkeit zu kommunizieren.
Paare buchen nicht nur einen Stil, sondern vor allem auch die Persönlichkeit. Individuelle Paare werden von individuellen Persönlichkeiten angezogen und umgekehrt.
Auch meine Arbeitsweise ist auf meiner Seite sehr genau umschrieben – diese zwei Seiten, „About me“ und „What you get“ sind die zwei Seiten, die ich am meisten und immer wieder aktualisiere und immer mehr verfeinere.

5. Der Kunde ist NICHT König! Ich fotografiere zu aller erst für mich, nicht nur für das Paar!

Klingt egoistisch?
Ist es auch! 🙂
Was auf den ersten Blick womöglich arrogant und überheblich klingen mag, wird umgekehrt zu einem positiven Teufelskreis:
Denn wenn ich mich selbst verwirklichen will und “für mich” fotografiere und nicht den “Foto-Klaus” für das Paar gebe, dann bin ich selbst mein größter Konkurrent. Dann versuche ich, mich permanent selbst zu toppen, nie auf Erreichtem stehen zu bleiben, sondern zwinge mich, mich ständig weiterzuentwickeln.
Klar will ich, dass meine Paare glücklich sind mit ihren Bildern.
Aber das funktioniert nur, wenn ich “mein Ding” durchziehen kann.
Wenn ich mit meinen Bildern so glücklich bin, dass ich sie selbst immer wieder und wieder anschaue und Freude dabei empfinde und Zufriedenheit, dann werden meine Paare das auch sein.
Und so wird ein vermeintlicher negativ konnotierter Egoismus zu einem positiven Karma-Vulkan!

6. Traumkunden definieren und den eigenen “Avatar” erstellen

Was sind deine Traumkunden? Was macht sie aus? Darüber sollte man sich ganz genau Gedanken machen.
“Alle, die heiraten”? Das wäre zu diffus!
Wenn man nicht weiß, wen man mit seiner Arbeit ansprechen will, wird man wie ein blindes Huhn im Nebel herumstochern.

Sehr hilfreich ist hier das ganz präzise Ausformulieren des oder der eigenen Kunden-Avatare.
Das heißt, man denkt ganz genau nach und “baut” sich seinen Traumkunden zusammen, und das in allen möglichen Details.
Im Ansatz würde mein Braut-Avatar z.B, “Leonie” heißen. Sie ist 1,70m groß, dunkelblond, hat ein ansteckendes Lachen, hat einen Bracke-Mischlingsrüden als Haustier namens Bruno, der total verrückt nach getrockneten Sardellen ist und morgens lange ausschläft und manchmal laut furzt. Mit dem Hund und ihrem Freund geht sie gerne wandern, ist oft und gern in der Natur. Sie liebt das Meer und die Berge, alles unter 20 Grad empfindet sie als zu kalt. Sie hat kein Problem damit, in Matsch unterwegs zu sein, trägt aber trotzdem gerne auch mal elegante Kleidung.
Geld ist ihr nicht so wichtig, aber sie wertschätzt das Besondere und ist bereit, dafür gutes Geld zu bezahlen. Sie ist verrückt nach sauren Zungen, die sich sie regelmäßig bei ihrem Lieblingskiosk holt… Usw usw usw.
Versucht das mal! Je präziser man sich seinen Wunschkunden im Geiste (und auf Papier!) formt, desto genauer weiß man, wen man mit seiner Arbeit ansprechen will.

Meine Paare z.B. haben oft gemeinsam, dass sie gern in der Natur sind, gerne reisen und vor allem kein “Heititei” auf ihrer Hochzeit wollen. Sie wollen “mehr Sein als Schein” und einfach einen mega-geilen Tag mit ihren Freunden und Verwandten verbringen. Das sind die Paare, die zu mir passen wie Arsch auf Eimer!

7. Sei selbstbewusst und stolz auf das, was du machst!

Geht es um den Blick auf die eigene Arbeit, liest man in den Hochzeitsgruppen oft, man “solle die Kirche doch mal im Dorf lassen”.
WTF?
Ich finde das total traurig und schüttle über solche Aussagen nur den Kopf.
Warum sollte man nicht stolz auf die eigenen Leistungen sein? Warum sollte man dieses Selbstbewusstsein nicht laut nach außen tragen?

Demut gegenüber dem Kunden ist ein No-Go für mich!
Ich will eine Kommunikation auf Augenhöhe und nicht das Gefühl haben, der Fotosklave vom Dienst zu sein.

Selbst, wenn manche es als Arroganz und Überheblichkeit missverstehen sollten, nehme ich mir daher auch die Freiheit, Kunden, die mich von oben herab behandeln und/oder nicht zu meiner Philosophie passen, abzusagen.
Diesen empfehle ich auch ganz bewusst keine anderen Fotografen aus meinem Netzwerk.
Kunden, die gerne Macht ausüben wollen, müssen sich ihren Foto-Klaus selbst suchen!
Ich will kein Arschkriecher sein.

Erfolg sieht nur von unten wie Arroganz aus und wer am Ende die geilsten Bilder macht, hat Recht.

8. Keine Preise auf der Webseite!

Preise auf der Webseite sind wie ein Preisschild und machen dich zu austauschbarer Stangenware.
Das ist meine Überzeugung.
Ich bin keine Waschmaschine aus einem Werbeprospekt!

Ich bin ein kreativer Fotograf, der sich mit absolutem Herzblut und 200% Einsatz in die Arbeit stürzt und diese wirklich lebt und darin aufgeht, weil sie mich glücklich macht.
Ich will für meinen Einsatz und meine eingebrachte Lebenszeit angemessen entlohnt werden und ich will Paare, die zu mir sagen „Do your thing! Wir vertrauen dir!“

Ich kassiere sehr viele Absagen von Paaren, denen ich einfach zu teuer bin. Umgekehrt habe ich aber genug Buchungen von Paaren, die sagen „Ja, man, du bist uns eigentlich viel zu teuer. Aber verdammt, wir wollen nur dich!“
Das sind meine Traumkunden!

Damit schränke ich meine Zielgruppe zwar deutlich ein, aber bin andererseits wirklich glücklich und zutiefst zufrieden und bekomme genau die Wertschätzung entgegengebracht, die ich mir wünsche.

Preise kommuniziere ich zudem niemals via Mail oder mit dem Zusenden einer Preisliste.
Wer mich anfragt, muss mit mir telefonisch oder via Skype in Kontakt treten.

Ich meine, hey, hier geht es um eine Hochzeit! Um einen der coolsten Tage im Leben eines Paares!
Ohne Vertrauen und ohne persönlichen Kontakt fotografiere ich keine Hochzeitsreportage.
Wer mich will, muss Zeit investieren, so wie ich meine Zeit für ein Telefonat investiere.
Alle anderen können gerne zu Foto-Klaus.

9. Tiefschläge sind ungemein wichtig und wertvoll.

Denn sie sind Indikatoren für verbesserungswürdige Dinge, die einem vorher nicht als möglicherweise unausgereift oder problematisch aufgefallen sind.

10. Schlechte und unfaire Google-Bewertung kassiert? Feier sie ab und umarme sie!

Meiner ersten richtig miesen Google-Bewertung ging folgende Absage voraus:

„Wir müssen Dir leider absagen und haben uns bewusst gegen Dich entschieden.

Die Art und Weise, wie das “Verkaufsgespräch” ablief, lässt kein Vertrauen und gutes Gefühl aufkommen, sondern hat bei uns den Eindruck hinterlassen, wir seien eher eine Cashcow für einen Typen, der “sein Ding” durchziehen möchte und weniger auf den Kunden als Dienstleister eingeht. So könnte leider keine lockere Atmosphäre entstehen.“

Dass das Gespräch mit den beiden anfangs fantastisch lief: geschenkt!
Dass sie mich grandios missverstanden haben oder missverstehen wollten, als ich ihnen am Ende des Telefonats noch der Vollständigkeit halber sagte, dass der Punkt mit dem 400€ teureren Honorar ohne Veröffentlichungserlaubnis für sie irrelevant sei (sie hatten ja kein Problem mit Veröffentlichen): geschenkt!

Soweit, so Absage, nicht meine Kunden, und damit war das erledigt – dachte ich.
Denn 3 Wochen später schrieb mir just jener Bräutigam meine erste 1-Sterne-Google-Bewertung:

„Geht leider null auf die Wünsche der Brautpaare ein. Dienstleistungsgedanke gleich 0. Das wichtigste ist ihm die Selbstdarstellung und Eigenwerbung. Keine transparenten Angebote. “Privatsphäre einer Hochzeit” wird einem am Ende des Gespräches nach 1.5 h Abstimmungstelefonat dann mal noch so schnell mit 400 Euro mehr untergejubelt. Arrogant und überheblich da kann kein gutes Feeling beim Brautpaar rüber kommen.“

Ich war zuerst gechockt, fühlte mich unfair behandelt und es lagen mir zig Erwiderungen auf der Zunge, teils sehr sarkastisch formuliert.
Schlussendlich entschied ich mich jedoch dafür, diese Rezension nicht zu beantworten, dem Bräutigam nicht zu schreiben und keinerlei Kontakt aufzunehmen.
Eine Bitte um Löschung der Rezension wäre in dem Fall sinnlos, denn genau das schien der Bräutigam unbedingt erzwingen zu wollen: Eine Reaktion meinerseits.
Nachdem es dank meiner grandiosen Paare nämlich einige neue 5-Sterne-Rezensionen gehagelt hatte, schien der Bräutigam versucht zu haben, durch das Aktualisieren seiner Rezension diese nach oben pushen zu wollen.
In dem Glauben habe ich ihn gelassen, denn Google listet die Rezensionen in ihrer Reihenfolge zum Glück nach Relevanz, nicht nach Datum der Bearbeitung.

Was habe ich dadurch nun gelernt?

1) Ungerechtfertigte und unfaire Rezensionen sollte man für sich stehen lassen und nicht beantworten, schlichtweg also komplett ignorieren und ihnen nicht die Energie schenken, nach der sie verlangen. Erklärt man sich in einer Antwort auf schlechte Rezensionen, kann dies bei anderen Paaren womöglich schnell als Rechtfertigungsversuch erscheinen. Antwortet man wiederum mit Sarkasmus und Humor, kann das den Rezensenten erst recht zum Ausflippen bewegen und das ganze könnte sich nur noch weiter aufschaukeln.

2) Man kann schlechte Rezensionen für sich arbeiten lassen: Kurz nach dieser Rezenson hagelte es durch “meine” Paare, die mich immer sehr gern supporten und die noch keine Rezension geschrieben hatten, einen ganzen Batzen neuer 5-Sterne-Bewertungen. Etwas besseres als diese 1-Sterne-Rezension konnte mir also im Nachhinein betrachtet eigentlich nicht passieren.

3) Inzwischen habe ich die Regelung mit dem teureren Honorar bei Nichtveröffentlichung komplett herausgenommen.
Stattdessen bitte ich einfach meine Paaren, dass ich super gerne ihre Story veröffentlichen möchte und auch, warum mir das so am Herzen liegt.
So habe ich es dieses Jahr geschafft, dass alle 17 Hochzeiten, die ich bisher im Kalender stehen habe, explizit mit dem Veröffentlichen einverstanden sind.
Auch diese Eigenschaft meiner Paare ist ein Teil meiner Positionierung geworden: Sie verstehen genau, was mir meine Arbeit bedeuted und sind mächtig stolz, wenn ich auch noch mit ihren Bildern einen Award gewinne.

Die 1-Sterne-Rezension habe ich mir übrigens ausgedruckt und an die Wand gehängt, denn sie bestätigt genau das, als was ich mich sehe:

11. Ich sehe mich nicht als reinen Dienstleister.

Erfülle ich deswegen keine Wünsche? Ganz im Gegenteil. Ich fotografiere Gruppenbilder, und wenn sich ein Gast ein Bild von sich wünscht, mache ich das natürlich.
Aber ich bin kein willfähriger Erfüllungsgehilfe, kein “Fotosklave” und kein unterwürfiger Dienstleister, der zu allem Ja und Amen sagt.
Ich brauche und will die Freiheit haben, “meinDing” durchzuziehen. Genau dafür werde ich gebucht.

Bin ich also ein Künstler?
Ach, diese Definitionen, ach, diese Schubladen.
Auch auf solche sinnlosen Diskussionen will ich keine Energie mehr verschwenden.
Ob ich Künstler bin, sollen andere beurteilen.
Ich bin einfach 150% Rossi, that´s it.

12. Meine Kollegen sind keine Konkurrenten, sondern wertvolle Mitstreiter, die ich schätze und bewundere.

Ein großes und gut funktionierendes Netzwerk auf Augenhöhe ist extrem wichtig! Ich leite Kunden an Kollegen weiter, die ich selbst buchen würde, wenn ich nochmal heiraten würde. Für die würde ich meine Hand ins Feuer legen! Genau das schätzen meine Kunden sehr, denn sie wissen, dass ich nicht irgend jemanden empfehle, sondern einfach die besten ihres Fachs. Umgekehrt wäscht eine Hand die andere und Empfehlungen werden immer wichtiger. Denn bei direkten Empfehlungen steigt die Chance, gebucht zu werden, immens im Gegensatz zu „normalen“ Anfragen.

13. Eigene Schwächen nutzen und in Stärken verwandeln!

Ich bin durchaus manchmal ein wenig verrückt, quatsche viel zu viel und bin zudem auch noch ein extremer Dickkopf und schrecklich stur.
Das alles sind Schwächen, mit denen ich als Kind für einigen Ärger gesorgt habe, die ich in meinem Beruf aber inzwischen für mich arbeiten lasse.
Man muss die eigenen Schwächen in etwas Positives umwandeln!
Und man darf sich niemals verstellen und sich als jemanden darstellen, der man nicht ist!

Und zu guter Letzt:

14. FAIL FORWARD! oder “Das kann ich nicht!” gibt es nicht!

Wir alle kochen nur mit Wasser!

In meinem Fall ist das Wasser das Licht, sei es vorhandenes Licht oder Blitzlicht. Man muss es erspüren und liebkosen, sich dem Gefühl dafür öffnen.
Den Kopf ausschalten, der eigenen Intuition mehr vertrauen.
Dazu muss man erst die Regeln lernen, um sie dann nutzen zu können – oder zu brechen!
Und dann ist der Umgang mit Licht irgendwann wie Nudeln kochen und man braucht nicht mehr den Timer einzustellen, um zu wissen, wann die Nudeln al dente sind.

Nichtsdestotrotz sind wir auch nur Menschen. Niemand ist unfehlbar!
Dennoch habe ich die Überzeugung erlangt, dass man gerade dann nicht scheitern wird, wenn man sich bewusst macht, dass man jederzeit scheitern kann und darf!
Nach meiner Erfahrung ist man dann umso aufmerksamer, wacher und konzentrierter!

Ergo: Wer sich erlaubt, scheitern zu dürfen, der wird das Ding rocken wie im Schlaf!
Dann gelingen Dinge, von denen man nicht wagte, zu träumen!

Und dann kriegt man es womöglich sogar zustande, einen Vortrag wie diesen hier zu halten. 😉

Dieser letzte Punkt ist für mich auch einer der wichtigsten!
“Kann ich das? Werde ich scheitern? Werde ich womöglich auf ganzer Linie versagen, es komplett vermasseln?”

“Fuck it. Do it anyways!”

wso 2019 - mein vortrag zum thema "positionierung als hochzeitsfotograf"

In diesem Sinne:

Traut euch immer ein Quant mehr, als ihr euch jetzt zutraut.

Verlasst eure Komfortzonen!

Face your fears!

Und dann geht da raus und macht eure Paare happy!

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit!

Ahoi!

Euer Rossi =)