Warum ich auf Hochzeiten 6000 Bilder fotografiere

Der Peak-Moment

oder

Warum ich auf Hochzeiten 6000 Bilder fotografiere

Es gibt ein Thema unter uns Hochzeitsfotografen, das regelmäßig alle paar Monate immer wieder hochkocht und wo sich die Geister scheiden. Ja, schon regelrechte Grabenkämpfe wurden um dieses Thema herum ausgetragen, inklusive Beleidigungen, Spott und Häme.
Du liebe Güte, mag man da nun denken, was ist das bitte für ein Thema, wegen dem sich zivilisierte Menschen in den Tiefen des Internetzes gegenseitig so dermaßen kompromisslos an die digitale Gurgel gehen?
Das Thema lautet, als bewusst provokant formulierte These formuliert:

Fotografen, die sehr viele Bilder fotografieren, sind einfach besser.

„Oha, da reißt jemand sein Maul ganz schön weit auf“, mag manch einer nun denken.
Nun, ich bin einfach davon überzeugt, dass es so ist. Weil ich einzig und allein aus Erfahrung spreche.
Wenn ich etwas in den Raum stelle, dann stehe ich dazu.
Ich habe die Weisheit sicherlich nicht gepachtet und nicht jeder mag meine Meinung teilen.
Aber ich habe großen Spaß mit dieser Arbeitsweise, und wenn ich den ein oder anderen ein wenig inspirieren und womöglich mit einigen Missverständnissen aufräumen kann, hat sich der Aufwand gelohnt.
In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen!



Genau im richtigen Augenblick… oder?

Schaut euch das Bild oben mal ein paar Sekunden an.
Ein toller Moment, nicht wahr?
Ich muss gestehen: Ich liebe dieses Bild!!
Das Paar kam gerade nach der Trauung aus der Kirche, eine Windbö kam auf und der Schleier wehte im Wind und schrieb eine perfekte harmonische S-Kurve in der Luft…
Da habe ich also genau im richtigen Moment abgedrückt – oder…?

Vielleicht denkt manch einer nun an Henri Cartier-Bresson und seinen berühmt-berüchtigten Moment décisif – der entscheidende Moment, für dessen Treffgenauigkeit Henri so berühmt war.
In der Tat spricht nichts dagegen, solche Skills zu trainieren – also das Können, in sagen wir mal einem 2 bis 3 Sekunden lang dauernden Moment genau den einen Bruchteil einer Sekunde mit einem einzigen Shot zu erwischen, in dem alles stimmt, alles passt.

Für alle, die nun denken, ich sei die Reinkarnation von Henri Cartier-Bresson:
Ich muss euch leider enttäuschen.
Ja, ich war im richtigen Moment zur Stelle, und ja, ich habe nur einmal abgedrückt. Aber ich habe nicht nur ein einziges Bild gemacht – sondern exakt 24, innerhalb von 3 Sekunden. Umgerechnet schieße ich im Burst-Mode also 8 Bilder pro Sekunde.

6000 Bilder sind nicht viel

In den letzten 2 Jahren, ganz besonders aber in 2018, begann ich also, immer mehr im Burst-Mode zu fotografieren. Bald waren 3000 fotografierte Bilder während einer Tagesreportage von 8 bis 12 Stunden keine Seltenheit und 4000 bis 5000 Bilder wurden schnell zur Normalität.
Und je mehr Bilder man fotografiert, desto weniger achtet man darauf, wie viel man fotografiert.
Insofern ist eines der oft vorgetragenen Argumente pro wenig Bilder fotografieren augenscheinlich richtig:
„Die Anzahl der fotografierten Bilder ist unwichtig – wichtig ist, was am Ende dabei herauskommt.“
Das ist vollkommen richtig. Wenn man aber bedenkt, dass man mit mehr Bildern viel mehr Momente im Moment trifft und damit ganz bewusst das besagte Endergebnis positiv beeinflusst, wendet sich dieses Argument am Ende gegen sich selbst…

Ja, aber…

Apropos Argumente:

Mit folgenden „Argumenten“, die immer wieder aufkommen, wenn man das Thema in einem der großen Hochzeitsfotografen-Gruppen auf Facebook anspricht, möchte ich ein für allemal aufräumen:

  • „6000 Bilder? Wahllos durch die Gegend fotografieren? Wie unprofessionell!“

Weshalb sollte man die Anzahl der fotografierten Bilder von der Professionalität abhängig machen und umgekehrt? Solche Argumente zeugen nur von Unwissenheit und reichlich Naivität.

  • Das Sichten und Sortieren der Bilder dauert doch ewig!

Im Grunde ist das ganze sehr simpel.
Es gibt bestimmte Tatsachen, die sind einfach Fakt.
Manche finden Fakten aber doof und genau dann entstehen diese eigentlich völlig unnötigen Reibereien.

Tatsache ist – und da werdet ihr mir sicherlich zustimmen – dass es mathematische Gesetze gibt, die absolut nachvollziehbar und logisch sind (sogar für mich, und ich hatte im Abi in Mathe Mündlich mickrige 3 Punkte).

 

Und auch, wenn man in der Regel nur die allerbesten 2 oder 3 Frames aus diesem einen Moment in der fertigen Hochzeitsreportage abgibt, so sind die restlichen Bilder keinesfalls umsonst gewesen.
Denn aus solchen „Burst-Szenen“ kann man wunderbare kleine „Daumenkinos“ in Form eines Gifs machen:

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